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Es lebt auf der Alp



Der Alpsommer beginnt

Unser Alpsommer beginnt an Auffahrt. Mit vollen Rücksäcken stehen wir vor unserem Daheim, drehen den Schlüssel im Schloss der Haustür – zu, los geht’s. Eine Nachbarin spaziert vorbei. Wohin es gehe, so schwer beladen? «Auf die Alp! Wir kommen im August wieder!» «Ja gell, wäre schön», zwinkert mir die Nachbarin zu. «Ja doch, wirklich!», wir lachen alle beide. Meine Nachbarin vor Erstaunen, wir ob der guten Aussichten. Wir fahren mit dem Zug durch die halbe Schweiz. Voller Vorfreude, einer grossen Portion Mut und Zuversicht und riesiger Lust, uns in Allerhand auszuprobieren. In Locarno steigen wir in den Bus ins Maggiatal. «In diesen Bus steigen wir das nächste Mal im August – wenn alles gut läuft», geht Fabienne dabei durch den Kopf. Was für ein Glücksgefühl!


Eintauchen..

Wir tauchen sofort ein ins Alpleben: Nach dem steilen Aufstieg am Vormittag, käsen wir bereits am Nachmittag. Philipp, Dani und ein G


rossteil der Tiere waren schon vor uns da. Das erste Klassenlager hat bereits stattgefunden. Gäste verbringen das Wochenende bei uns und es gilt die Häuser fürs nächste Klassenlager her und uns in unserem temporären Daheim einzurichten, uns als Team zu finden und die Tiere kennen zu lernen.




..und einleben

Wir leben uns rasch ein, kennen wir doch Vieles vom vergangenen Jahr. Neu ist, dass wir den Lead haben, wir bewirtschaften die Alpe! Ein grossartiges Gefühl! In der Frische des Morgens die Geissen von den Weiden in den Stall holen, steil rauf, steil runter. Danach schmeckt der Kaffee mit frischer Geissmilch, der selbstgemachte Büscion und Robiola zum Zmorge nochmals besser. Abends melken wir die Geissen nochmals, wir lehnen unsere Köpfe an die Flanken der Tiere, spüren ihre Wärme und ruhen unsere müden Beine für einen Moment aus, während die Hände umso mehr gefordert sind. Das Käsen erfüllt uns: sich Zeit nehmen, mit Sorgfalt und Hingabe, die selbst von Hand gemolkene Milch verarbeiten, beim täglichen Schmieren und Wenden beobachten wir gespannt wie die Mutschli reifen. Genauso ergeht es uns mit den Pflanzen in unseren Gärten: Im Frühjahr wurden sie noch im Tal gezogen, vor einigen Wochen im Geodome und den anderen Gärten eingesetzt, täglich gehegt und gepflegt und nun zeigen sich die ersten Früchte. Neben all den schönen Arbeiten, kommen natürlich immer wieder Aufgaben auf uns zu, auf die wir nicht gewartet haben. Wir haben kein fliessendes Wasser mehr, steigen dann den Wasserleitungen nach, um das Problem zu beheben. Der Generator für die Waschmaschine streikt, dies und das muss repariert werden. Eins nach dem anderen wird erledigt, schlussendlich zählt abends allerdings ausschliesslich, dass Tier und Mensch gut versorgt sind, alles andere ist nebensächlich. So fühlt sich Freiheit an.


Diese Erfahrungen mit unseren Gästen zu teilen, kann besonders wertvoll sein. Die Schüler:innen der Klassenlager erleben, wie es ist, selber für warmes Wasser, ein warmes Zimmer und das Feuer zum Kochen besorgt zu sein. Eigenes Brot backen kann eine grosse Herausforderung sein, umso mehr, wenn dazu der Ofen mit Holz aufgeheizt und am Ende der Wochen die Holzvorräte neu gehackt und aufgefüllt werden müssen. Schnell geht die Woche vorüber, freitags steht der Abstieg ins Tal an. Die Klasse packt ihre Rucksäcke, ein Gewitter droht, schnell wird aufgebrochen. Wenige Stunden später bekommen wir die Nachricht, dass sich mit dem Schliessen der Bustüren die Wolken ergossen haben. Unsere Gäste sassen wohl erleichtert und reich an Erfahrungen im Trockenen.


Und bei uns oben - geht das Alpleben in all seinen Facetten weiter.






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